Traumata durch Kunsttherapie überwinden

Wie Dir die Kunst dabei hilft Deine wahre Persönlichkeit zu leben




Heute habe ich die Ehre eine ganz besondere Gastschreiberin auf meinem Blog begrüßen zu dürfen.


Leonie Bandurski ist selber Künstlerin, Tanztherapeutin und Erzieherin;- aber auch Psychiatrie erfahrene Betroffene, die auf sehr ehrliche und direkte Art ihre traumatischen Erlebnisse, auch innerhalb der Psychotherapie, teilt. Das ist ein Geschenk, denn nur wer redet kann dazu beitragen, dass sich das System ändert und weniger Unrecht geschieht.


Sie hat ein Buch über ihre Geschichte geschrieben („Die Trümmerlöwin“, auf Amazon erhältlich), aber heute teilt Leonie hier auf meinem Blog (Danke!), vor allem ihre Erfahrungen, wie ihr die kreativen Therapien geholfen haben, sich in Freiheit zu bewegen, zu entfalten und zu leben. - Sich ihre Gesundheit und ihr wahres Ich zurück zu erobern.


„Diesen Frieden, den ich da in der Kunst/Tanztherapie erfahren habe, das ist etwas, das größer ist als alles andere. Er ist tief in meinem Kern verankert und wird immer wieder durch das Malen und Tanzen gestärkt. Solange dieser Frieden in mir lebt, solange kann mich nichts und niemand in der Welt jemals wieder derartig zerstören. Er ist ein Heilungszustand, der in mir drin und aus mir heraus entstanden ist und von nichts und niemandem abhängig ist.“

Die Geschichte, wie Leonie Bandurski sich Flügel wachsen ließ und lernte zu fliegen.


Ergänzend zu diesem Text kannst Du Dir auch ein sehr ausführliches und intensives Gespräch zwischen Leonie und mir auf YouTube anhören:





Viel Spaß!!


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Ich bin Leonie, Erzieherin, Tanztherapeutin und freie Künstlerin. Heute habe ich die Ehre, meine Therapie-Selbsterfahrung als Betroffene mit dir auf diesem Blog teilen zu dürfen.

In meiner Jugend war ich Gefangene einer schweren Magersucht und litt extrem unter den Bedingungen des Bildungssystems. Irgendwie passte ich nie in den Rahmen. Ich habe zu viel gefühlt, zu viel gedacht und zu viel gemacht. Meine Art, die Welt zu begreifen und zu lernen war zu viel, zu ausführlich und zu anders für das Schulsystem, in dem ich damals war. Es kann nichts gerahmt werden, was sich bewegt.


Also passte ich mich an, rahmte mich sozusagen selbst ein und hängte mich an die Wand der Massentauglichkeit, in die ich eigentlich nicht passte. Das machte mich krank.


Nach Jahren der Verzweiflung habe ich mich zur Behandlung in psychotherapeutische Hände begeben, die keine heilende, sondern eine zerstörerische Wirkung hatten.



Der Leidensweg


Die Psychotherapeutin hat mich vier Jahre lang schwer emotional narzisstisch und körperlich missbraucht.


Dies war der Gipfel einer Kette schwerer traumatischer Erlebnisse, die mich Zeit meines Lebens verfolgten: Das Bildungssystem, welches mich in die Magersucht führte, eine zerstörerische Psychotherapie, die mich schlussendlich in die Prostitution trieb.


Ich war verstummt, leertherapiert, halbtod-missbraucht und hatte mich verloren.

Ich stand zutiefst traumatisiert vor der Frage, ob ich diesen Wahnsinn überlebe und wenn ja, wie ich das schaffen kann.


Mein Körper war bewegungsunfähig, ich hatte täglich bis zu 30 Panikattacken, manchmal weinte ich tagelang. Das war kein Weinen, das ich vorher schon einmal erlebt hatte. Das war ein tiefes, schmerzhaftes Schluchzen mitten aus der Seele über Stunden, Tage, Wochen hinweg.


Ich war das lebendige Beispiel dafür, dass schwer Traumatisierte das Sprechen verlernen. So viel Schmerz, so viel Geschichte, so viel Trauer und Verzweiflung wüteten in mir, aber meine Stimme war stumm, mein Körper erstarrt.


Wandel


Weil ich zu nichts mehr in der Lage war, kam ich mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus. Dort lag ich fast drei Wochen nur in meinem Bett und weinte bitterlich die vergangenen Jahre in mein Kissen. So schmerzhaft wie es war, so bekam ich aber auch


mit jedem Tag Weinen ein kleines bisschen mehr Leben in meinen Körper zurück. Meine Hautfarbe wurde wieder rosig, ich konnte meine Glieder etwas bewegen und meine Augen öffnen. Die völlige Starre hatte ich also überwunden.

Wer von euch in einer Psychiatrie war, wird erfahren haben, dass Psychiatrien nicht unbedingt viele Heilbehandlungen anbieten, sondern eher eine „Aufbewahrung“ für Patienten sind, die akut Hilfe brauchen. Weil ich diese akute Handlungsunfähigkeit nach einigen Wochen überwunden hatte, entließ ich mich selbst zurück nach Hause. Auf dem Heimweg flüsterte ich mir ins Ohr:


„Leonie, du nimmst dein Leben bei der Hand und lässt es nie wieder los. Du beschützt es und bringst dich in Sicherheit.“

Mein Körper konnte sich wieder bewegen, ich war in der Lage, einfache, kurze Sätze zu sprechen.

Trotzdem hatte ich in den nächsten Wochen immer noch extreme Panikattacken, Gefühlsausbrüche und Albträume. Ich entwickelte unzählige Zwänge. Jeden Tag 12x duschen, 120x Hände desinfizieren. Ich wollte mich rein waschen von dem Horror der letzten Jahre. Das Gefühl, wenn ich das nicht tue, sterbe ich, umgab mich.


Ich hatte null Vertrauen in Menschen. Trotzdem meldete ich mich zu einer Ausbildung zur Tanzpädagogin/-therapeutin an.


Mehr Pädagogin als Therapeutin – von Therapeuten hatte ich jedenfalls erstmal genug. Für die Arbeit mit den Kindern in der Kita kann das ja nicht schaden.

Irgendwas musste ich tun – das war meine Intention – irgendwas musste ich tun, damit mein Alltag wieder mit Inhalt gefüllt würde.


Der Beginn eines Überlebesweges hin zur Heilung


Dass diese Entscheidung meine Selbstheilungskräfte dermaßen beeinflussen würde, damit hatte ich nicht gerechnet.


Die Kunsttherapie/Tanztherapie hat mich am allermeisten auf meinem Überlebensweg wachsen lassen. Gesprächspsychotherapien finden alle auf der Basis von Sprache statt. Sie untergraben damit die Hälfte unserer Persönlichkeit, denn unser Körper besteht nicht nur aus Sprache, sondern auch aus Bewegung, und vielen Ebenen feinstofflicher Qualität. Der Wirkungszeitraum von Kunsttherapien ist daher viel intensiver, weil sofort alle Lebensebenen verbunden sind. Heilung ist nichts Eindimensionales, Heilung muss jede Zelle berühren, damit sie sich ausbreiten kann.


Die Tanztherapie ist der Meilenstein meiner Heilungsgeschichte. Meine Tanztherapeutin ist der Mensch, der mir geholfen hat, zurück in meine Freiheit zu finden und das über und durch meinen Körper. Ich habe zum ersten Mal nach 12 Jahren Isolation Nähe zugelassen, zum ersten Mal eine kleine Knospe Vertrauen empfunden und das Schweigen gebrochen. Traumata machen sprachlos, aber der Körper und die Seele haben unendlich viel zu erzählen.


Kunst als Therapieform bedeutet nicht, den perfekten Tanz oder das perfekte Bild zu malen.


Es geht nicht um Perfektion, nicht um Leistung, nicht um Handwerk. Vielmehr geht es um Ausdruck, um die Freiheit, eigene Ressourcen zu entdecken.


Wenn ich male, um zu heilen, dann malt meine Seele.

Sie wählt Farben aus, bringt sie ohne Anspruch auf das Papier und genießt den Prozess. Es ist der größte Frieden, den ich jemals erlebt habe.


Das Malen ist wie atmen. Wie fliegen und gehalten werden. Wie Wurzeln schlagen. Wie Glücksgänsehaut im ganzen Körper.


Wenn ich tanze, um zu heilen, dann tanzt meine Seele mit meinem Körper.

Sie bewegt, lässt sich treiben. Mein Körper erzählt in der Bewegung. Schnell, langsam, groß klein. Die Bewegung hat so viel Qualität und vor allen Dingen Freiheit.


Tanztherapie, Frieden und Freiheit


Wir sind im Alltag oft verkopft und starr. Im Tanz bewegt sich alles, Körper und Geist, diese Freiheit ist enorm wirkungsvoll. Im Tanz hat mein Körper wieder an Leben gewonnen. Ich habe keine Angst mehr vor dem Schmerz, den er ertragen musste. Ich kann ihn berühren und er hält mich. Ich vertraue ihm. Er ist der Ort, an dem ich überlebt habe und heute in Sicherheit bin. Auch wenn alles zerbricht, auch wenn die ganze Welt zu viel ist – mein Körper ist immer da und bewegt mich. Das ist der größte Frieden, den ich jemals erlebt habe.


Tanzen ist wie atmen. Wie fliegen und gehalten werden. Wie Wurzeln schlagen.


Diesen Frieden, den ich da in der Kunst/Tanztherapie erfahren habe, das ist etwas, das größer ist als alles andere. Er ist tief in meinem Kern verankert und wird immer wieder durch das Malen und Tanzen gestärkt.


Solange dieser Frieden in mir lebt, solange kann mich nichts und niemand in der Welt jemals wieder derartig zerstören. Er ist ein Heilungszustand, der in mir drin und aus mir heraus entstanden ist und von nichts und niemandem abhängig ist.


Deshalb sollte die Heilung von Innen kommen, damit sie sich entfalten kann. In der Kunst-/Tanztherapie kommen die Impulse alle von innen aus dem Menschen selbst heraus und diese generierten Selbstheilungskräfte und Ressourcen sind das, was nachhaltig und ganzheitlich stärkt und heilt.


Natürlich verläuft das Leben nicht linear und auch Heilungswege verlaufen nicht linear. Es gibt immer wieder Einbrüche und Rückschläge, auch bei mir. Aber die Kunst ist ein Medium, das mich auch in Rückschlägen wirksam und verlässlich aus der Krise immer wieder zurück in den Frieden mit mir führt.

Seitdem ich die Kunst in meinen Alltag integriere, bin ich frei darin, wie ich mich als Mensch und die Welt um mich herum erfahre. Das ist eine Qualität, die viel intensiver ist, als das, was durch das bloße Sprechen erreicht werden kann. Kunst ist mein Immunsystem, mein Medium, mir meine zertrümmerten Flügel wieder anzukleben und aus dem Trümmerhaufen der letzten Jahre herauszufliegen.


Sie hatte mich mit diesem Rahmen umgeben,

weil sie dachte, dass er passt

und mich in der quadratisch praktischen Form erfasst

Ich bin aber kein Bild

Also falle

Nein ich stürze aus ihrem Rahmen

Und lande mit beiden Beinen fest im Leben


So entkam ich dieser Fassung

Weil sie nichts einrahmen kann, was sich bewegt

Lasst eure alten ketten los

Rennt in die Freiheit

Und springt aus dem Rahmen

Der euch nicht passt


Das ist meine Geschichte im Schnelldurchlauf. Wenn du Fragen hast, schreib mir gerne. Ich arbeite als freie Künstlerin und hab die Kunst mittlerweile zu meinem Beruf gemacht.


Auftragsbilder sind Aufträge, mit denen ich meinen Lebensunterhalt finanziere. Ich male sie mit dem Ziel, den Kunden mit meinem Handwerk zufrieden zu stellen.

Aber bis heute male ich therapeutisch intuitiv ohne Bedingung mit mir selbst, mich auszudrücken, meinen Frieden zu fühlen und einfach um zu lieben. Diesen Frieden werde ich nie wieder loslassen.

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Kontakt

Vanessa Neera Sharma

Beurhausstraße 7

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